Kuratiert von

Angelika Burtscher
Daniele Lupo
Marion Oberhofer

Ort

Südtirol

Collective Practices: A Living Experience of Feeling Listened

Während der Lungomare Residency 2021 hat die Künstlerin Binta Diaw ein Projekt konzipiert, das auf einer Reihe von partizipativen Aktionen basiert. Die Aktionen, die als kollektive Praktiken verstanden werden, beziehen Menschen mit ein, um neue kritische Formen des “Erlebens und Bezeugens” des lokalen Territoriums zu entwickeln.

Die Hauptinspiration für das Projekt ist der Text “Südtirol ABC Sudtirolo” von Alexander Langer. Das Breviarium basiert auf einer Liste von Schlüsselwörtern, die der Autor als “eine Sprache” ansah, um die Vergangenheit und die Realität Südtirols zu seiner Zeit zu erzählen und zu beschreiben. Trotz der Unvollständigkeit des Werks haben die offene Form und der zeitgenössische Charakter einiger Begriffe die Künstlerin dazu veranlasst, sie auf eine andere Art und Weise neu zu formulieren, um über das heutige Südtirol nachzudenken und es zu hinterfragen. Die verschiedenen kollektiven Praktiken, die bewusst durch Audio-, Video- und Fotoaufnahmen dokumentiert wurden, werden das Material bilden, anhand dessen die Künstlerin eine neues, chorisches und zeitgenössisches „ABC Südtirol“ schreiben wird.

Collective Practice I

– The Land of Our Birth is a Women –

“Wenn wir neue Formen des Feminismus schaffen wollen, brauchen wir die Solidarität zwischen den Generationen, aber vor allem müssen wir die Qualität der Beziehungen zwischen denen, die waren, denen, die sind und denen, die sein werden, aufrechterhalten”.

Alex Martinis Roe, in To become two

Die erste kollektive Praxis mit dem Titel “The Land of Our Birth Is a Woman präsentierte sich als ein Raum der Fürsorge, der Weitergabe und des Zuhörens für Frauen mit Migrationshintergrund, die in verschiedenen Südtiroler Städten leben. Das Treffen beinhaltete den Entwurf und die Realisierung eines kollektiven Patchworks, das von mehreren Händen genäht wurde.

Warum ein Patchwork?

Textilien und Nähen sind lebenswichtige und kulturelle Elemente, die alle Gemeinschaften auf der ganzen Welt miteinander verbinden. Nähen ist eine uralte Praxis der Weitergabe, an der häufig Frauen beteiligt sind. Die Symbolik, die hinter dem Akt des Zusammenfügens verschiedener Stoffstücke steht, ist die Grundlage der ersten kollektiven Praxis, d. h. der Zusammenführung von Frauen aus verschiedenen Gemeinschaften.

Die Absicht dieses Moments ist es, das Bewusstsein zu schärfen und die Figur des Körpers von marginalisierten Frauen zu diskutieren, indem die zahlreichen stereotypen Darstellungen, die bestimmte Denkweisen unterstützen, dekonstruiert werden. Zu den verschiedenen Zielen dieser Praxis gehören die Sensibilisierung und die Infragestellung der Wahrnehmung und der zahlreichen stereotypen, patriarchalischen und eurozentrischen Darstellungen von Frauenkörpern.

Die Ziele der kollektiven Praxis I:

– Lokale Inklusivität als eine Vision, die über geschlechtliche, geografische und identitätsbezogene Grenzen hinausgeht
– Sinn für Gemeinschaft, Integrität und Empathie
– Schaffung sicherer, sensibler Räume auf der Grundlage von Mut, Zusammenarbeit und Horizontalität
– Die Universalität der Kunst nutzen

Schlüsselwörter aus dem ABC Südtirol:

– Ängste
– Partei ergreifen
– Fremdkörper
– Vermischung

Collective Practice II

– We are Potluck – 

Das Treffen beinhaltete ein gemeinsames Abendessen, das von mehreren Händen und mit verschiedenen Zutaten zubereitet wurde.

Warum die Entscheidung, den ganzen Abend auf Essen zu gründen? Zutaten und Kochpraktiken sind lebenswichtige und kulturelle Elemente, die alle Gemeinschaften auf der ganzen Welt vereinen. Das Potluck ist ein gemeinschaftliches Essen, an dem alle Gäste aktiv teilnehmen. Ursprünglich waren Potlucks Mahlzeiten, die in religiösen und nicht-religiösen Gemeinschaften eingeführt wurden, um die Bedeutung des Teilens zu betonen.

Die Ziele der kollektiven Praxis II:

– Lokale Inklusivität als Vision, die durch das Kochen die Grenzen von Geschlecht, Geografie und Identität überwindet
– Sinn für Gemeinschaft
– Schaffung fließender, sensibler Räume auf der Grundlage von Mut, Zusammenarbeit und Horizontalität
– Dialog und Konfrontation durch eigene Erfahrungen
– Nutzung der Universalität von Kunst und Essen

Schlüsselbegriffe aus dem ABC Südtirol:

– Assimilation
– Ethnizität
– Vermischung
– (Recht auf) Heimat
– Natur