FLUX - Aktionen und Raumerkundungen entlang der Flüsse

Interdisziplinäre Streifzüge, Workshops, Performances und temporäre Interventionen im öffentlichen Flussraum

FLUX ist ein zweijähriges Projekt von Lungomare, das sich mit den Flusslandschaften Bozens aus vielseitigen Perspektiven auseinandersetzt. Gemeinsam mit lokalen und internationalen Künstler:innen, Architekt:innen und Forscher:innen sowie durch das Einbeziehen von Alltagsperspektiven erkundet Lungomare die drei Flüsse Etsch, Talfer und Eisack und ihre angrenzenden öffentlichen Räume. Der Flussraum ist für viele Bewohner:innen für eine lebenswerte und gemeinschaftliche Stadt von wesentlicher Bedeutung.

Anhand vielfältiger Aktionen wie Workshops, Performances, Installationen und Streifzüge werden unentdeckte Potenziale der Flusslandschaften gemeinsam mit der Stadtbevölkerung ausfindig gemacht, um eine Wunschproduktion anzuregen. Durch künstlerische und gestalterische Interventionen werden Menschen und Orte verbunden, um auf gesellschaftliche Veränderungen aufmerksam zu machen, Geschichte(n) zu erzählen und Begegnungsräume zu schaffen.

 

Über das Jahr 2022 hinweg verändern wir so die Wahrnehmung der Flusslandschaft in Bozen, legen Entwicklungsmöglichkeiten dieses öffentlichen Raumes offen und schaffen eine Vielzahl von geteilten Nutzungsvisionen. Dieser vielschichtige Erkundungsprozess möchte Bedürfnisse und Ideen katalysieren, um sie im darauffolgenden Jahr in temporäre Interventionen zu übersetzen und so neue Zugänge und Gemeinschaftsräume entlang der Flüsse zu gestalten.

 

2022 werden Johanna Dehio + Marjolein Houben, Futurefarmers, Herwig Turk und Sööt/Zeyringer den Bozner Flussraum aus verschiedenen Perspektiven künstlerisch untersuchen, bespielen und neu interpretieren. Die Fotografinnen Claudia Corrent und Anna Michelotti begleiten das Projekt fotografisch.

Sööt/Zeyringer

Unter dem Namen Sööt/Zeyringer arbeiten die Künstlerinnen Tina Sööt und Dorothea Zeyringer an der Schnittstelle von bildender Kunst, Tanz und Theater. Ihre Performances thematisieren persönliche und gesellschaftspolitisch relevante Themen, die sie zu poetischen und humorvollen Bewegungsabläufen und Erzählungen zusammenfügen. In ihren jüngsten Arbeiten erforschen die beiden Künstlerinnen die weibliche Wut und dokumentieren die vergessene Geschichte der Slapstick-Komikerinnen.

 

Tiina Sööt lebt und arbeitet in Bucharest, Wien und Tallinn. Sie ist Performance- und bildende Künstlerin. Nach dem Bachelor in Ökologie und Theaterwissenschaft, erhielt sie ihren Mag. art. in Kunst an der Estnischen Kunstakademie (2013). Außerdem hat sie an der Akademie der bildenden Künste Wien in der Klasse Performative Kunst studiert. Tiina Sööt ist seit 2012 Teil des Künstlerinnenduos Sööt/Zeyringer. Zusätzlich entwickelt Tiina eine dokumentarische Performance-Praxis mit Aet Kuusik mit Schwerpunkt auf Feminismus, Geschlecht und Sexualität.

 

Dorothea Zeyringer lebt und arbeitet in Wien. Sie diplomierte an der Akademie der bildenden Künste Wien und studierte am HZT (Zentrum für Tanz) Berlin. Sie war danceWEB Stipendiatin bei ImPulsTanz 2017 und erhielt das Startstipendium des Bundeskanzleramt Österreich. Sie arbeitete als künstlerische Assistentin von Michikazu Matsune und unterrichtete an der Akademie der bildenden Künste Wien in den Bereichen Performance und Forschung. Als Teil des Künstlerinnenduos Sööt/Zeyringer bewegt sich ihre künstlerische Praxis zwischen bildender Kunst, Choreografie und Sprache.

Johanna Dehio + Marjolein Houben

Marjolein Houben (1981) studierte an der Design Academy Eindhoven. Nach der Arbeit an kollaborativen Projekten in den Niederlanden schloss sie ihren MA in Fotografie und urbane Kultur an der Goldsmiths University of London ab. In den letzten 8 Jahren hat sie für Jongeriuslab in Berlin (das Designstudio von Hella Jongerius) gearbeitet, wo sie das Designteam leitete und Ausstellungen für das Design Museum in London, die Neue Sammlung in München, Lafayette Anticipation in Paris und den Gropius Bau in Berlin gestaltete. Für FLUX arbeitet sie kollaborativ mit der Designerin Johanna Dehio zusammen.

 

Die Designerin Johanna Dehio (*1984) arbeitet in unterschiedlichen Konstellationen an angewandten Forschungs- und Designprojekten im sozialen und kulturellen Kontext. Verschiedene Aspekte von Improvisation dienten immer wieder als Impuls und Inspiration für ihre Arbeit, die die Beziehung zwischen Mensch, Objekt und Raum als Thema hat. Alle Aspekte des Design sind auf das Lebensumfeld und die Situation des Menschen zurückzuführen und darin kontextualisiert. In mehreren Kooperationsprojekten bezieht sie sich auf das Kochen als Metapher für kulturelle Prozesse und nähert sich so komplexen Fragestellungen anhand von exemplarischen praktischen oder sinnlichen Erfahrungen. Sie lehrt an der Universität der Künste Berlin (UdK), der Freien Universität Bozen (unibz) und der HfbK Hamburg und hält Workshops und Vorträge.

Futurefarmers

Futurefarmers ist ein Netzwerk aus Künstler:innen, Architekt:innen, Anthropolog:innen und Landwirt:innen, deren gemeinsames Interesse dem „Rekalibrieren“ unserer Sinne gilt – für ein verstärktes Aufmerksamwerden auf die vielgestaltigen Dimensionen dieser Welt, der belebten wie unbelebten. Das Kollektiv arbeitet an den Schnittstellen zwischen Kunst, Architektur und Stadtplanung. Der Prozess der Verhandlung zwischen verschiedenen Gruppen von Menschen und Kulturen hat in ihrer Arbeit eine zentrale Bedeutung. Futurefarmers schafft oft relationale Skulpturen, die den Teilnehmer:innen spielerische Einstiegspunkte und „Werkzeuge“ bieten, um Einblicke in tiefere Untersuchungsfelder zu gewinnen – nicht nur, um sich etwas vorzustellen, sondern auch, um die Orte, in denen wir leben, mitzugestalten und Veränderungen zu initiieren. Diese „Werkzeuge“ und skulpturalen Requisiten bilden eine visuelle und materielle Sprache, die sich mit einer immateriellen und relationalen Praxis verbindet.

Herwig Turk

Herwig Turk lebt und arbeitet in Wien und Lissabon. Seine Projekte kreieren Berührungspunkte im Spannungsfeld von Kunst, Technologie und Wissenschaft. Von 2010 bis 2013 war er „Artist in Residence“ am IMM (Instituto da Medicina Molecular), Lissabon. Von 2003 bis 2009 arbeitet Turk mit Paulo Pereira, dem Leiter der ophthalmologischen Abteilung von IBILI (Institute for Biomediacal Imaging and Life Sciences, Coimbra), zusammen. In den letzten Jahren wurden seine Arbeiten unter anderem im MMKK Museum Moderner Kunst Kärnten in Klagenfurt, im MAK Museum für angewandte Kunst in Wien, im Seoul Museum of Art in Südkorea, im Neues Museum Weserburg in Bremen, im TESLA Labor für Medienkunst in Berlin, in der Galerie Georg Kargl in Wien und bei der Transmediale in Berlin gezeigt. Seit 2014 unterrichtet er als Senior Artist in der Abteilung Social Design an der Universität für Angewandte Kunst in Wien.

Claudia Corrent

Claudia Corrent (Bozen 1980, lebt und arbeitet zwischen Bozen und Venedig) studierte Moderne Philosophie mit schloss mit einer Arbeit über die Beziehung zwischen Philosophie und Landschaftsfotografie ab. Seit 2013 ist sie Mitglied des künstlerischen Beirats von Foto Forum (Bozen) und der Weigh Station (Bozen). Im Jahr 2015 gewann sie einen Künstlerinnenaufenthalt bei Camera in Turin und besuchte eine Meisterklasse für visuelle Kunst bei Fabrica. Im Jahr 2018 war sie Finalistin beim Premio Fabbri und 2019 gewann sie den Künstlerinnenpreis der Autonomen Provinz Bozen, den Riaperture-Preis, das Capalbiofotofestival und war im selben Jahr Finalistin des Combat-Preises. Sie unterrichtet Fotografie und konzipiert fotografische Projekte für Museen (Mart, Fondazione Sandretto Re Rebaudengo, Festival della Mente di Sarzana, Scuola internazionale di grafica di Venezia). Ihre Fotos wurden in unterschiedlichen Zeitungen und Zeitschriften publiziert, u.a. Repubblica, Der Spiegel, Art, Courrier International und Die Zeit. Ihre Schwerpunkte sind Landschaft, die Beschäftiung mit privaten Bildsammlungen und die kollektive Vorstellungskraft.

Anna Michelotti

Anie Maki / Anna Michelotti (1998, Bozen) ist Fotografin. In meiner Arbeit geht es oft um Erinnerungen und Menschen. Sie hört gerne zu und interessiert sich für persönliche Erzählungen und Geschichten, welche ihr Umfeld und Realität reflektieren. Sie beobachtet Beziehungen, Individuen und die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

FLUX FRAGMENTS - Eine Bild- und Textsammlung in den Räumlichkeiten von Lungomare

FLUX FRAGMENTS zeigt Beobachtungen und Visionen von Künstler:innen und Architekt:innen für die Flusslandschaften in Bozen. Die Beiträge beobachten das Alltagsleben rund um den Flussraum, erzählen von verborgenen Orten und Lebewesen und setzen sich kritisch mit Ein- und Ausschlüssen in öffentlichen Stadträumen auseinander. Einige Beiträge entstehen speziell für das Projekt FLUX, andere sind Archivarbeiten von Künstler:innen und Architekt:innen, die wir als Anregungen und Impulse für eine weitere Reflexion im Rahmen von FLUX FRAGMENTS zeigen möchten. Ergänzend dazu zeigt FLUX FRAGMENTS historische Bilder und Stadtkarten aus städtischen Archiven, filmische Dokumentationen lokaler Filmemacher:innen und lädt Besucher:innen ein, Fragen zu beantworten. Ein wachsendes Bild-, Text- und Tonarchiv erzählt den Flussraum der Stadt von der Gegenwart bis in die Zukunft. FLUX FRAGMENTS begleitet das zweijährige Projekt mit immer wieder neuen Geschichten, Bildern und Textfragmenten, die wir in den unterschiedlichen SAMMLUNGEN präsentieren.

FLUX FRAGMENTS, SAMMLUNG I

mit Claudia Corrent, Karl Unterfrauner, Ludwig Thalheimer + Susanne Waiz

 

17.05. − 30.09.2022

 

Im Rahmen von FLUX FRAGMENTS, SAMMLUNG I präsentiert Lungomare den ersten fotografischen Streifzug von Claudia Corrent, der für FLUX entstanden ist. In der Fotoserie „Oltrefiume“ überlagert die Fotografin Bildfragmente, historische Stadtansichten, Momentaufnahmen der Vergangenheit und Gegenwart und verwebt so Erinnerung und Zukunft um neue Vorstellungswelten für den Flussraum zu skizzieren. Sichtbare und unsichtbare Schichten erzählen von Ängsten und Träumen, von Nicht-Menschlichen-Lebewesen die Räume für sich beanspruchen, und von Menschen, die Räume mit ihren Aktionen kontinuierlich verändern. Die Arbeit von Claudia Corrent beschreibt, wie gelebte Erinnerung und die Wunschproduktion des Heute eng verwoben sind, wenn wir Stadt gestalten und verändern möchten.

 

In der SAMMLUNG I ist außerdem die Foto- und Tonarbeit „Obdachlos in Bozen“ von Ludwig Thalheimer und Susanne Waiz zu sehen. Die Fotos von Ludwig Thalheimer zeigen das, was wir normalerweise nicht sehen, obwohl es direkt vor unserer Haustür passiert: Menschen, die gezwungen sind, unter menschenunwürdigen Bedingungen zu leben, die auf der Flucht auch ihren Platz in der Gesellschaft verloren haben. Doch Obdachlosigkeit ist weltweit. In Europa und in einer Stadt wie Wien, das für seinen kommunalen sozialen Wohnungsbau bekannt ist, nimmt Obdachlosigkeit erschreckende Formen an. Susanne Waiz verknüpft die Stimmen von Menschen, die beruflich mit Obdachlosigkeit zu tun haben, zu einem fiktiven Dialog.

 

Die Fotoarbeit „Neophyten“ von Karl Unterfrauner zeigt drei Pflanzen entlang des Flusses Talfer, die sich bewusst oder zufällig mit Hilfe des Menschen entlang des Flusses angesiedelt haben. Gemeinsam mit dem Forscher und Biologe Georg Niedrist (Institut für Alpine Umwelt, Eurac Research) hat 2010 der Künstler diese und sehr viele weitere „eingewanderte“ Pflanzen erforscht. Sie sind auf 2.758 Sorten gestoßen, von denen sich etwa 15% erst in jüngster Zeit im alpinen Lebensraum angesiedelt haben. Die Fotoarbeit zeigt die verschiedenen Pflanzenarten in ihrer natürlichen Umgebung im Eisacktal entlang der Brennerautobahn und am Fluss Talfer.

Jahr

2022 – ongoing

Ort

Bozen

Künstlerische Leitung

Angelika Burtscher, Daniele Lupo

Fotografische Beiträge

Claudia Corrent, Anna Michelotti

Team

Elisa Cappellari, Chiara Cesaretti, Linsey Dolleman, Ada Keller, Flora Mammana

Mit der Unterstützung von

Autonome Provinz Bozen, Kulturabteilung; Österreichisches Kulturforum Mailand; Gemeinde Bozen - Amt für Kultur; Stiftung Sparkasse Bozen