Mit lokalen und internationalen Experten:innen, Kulturproduzenten:innen sowie Landnutzer:innen realisierte Lungomare mit Sophie Krier und dem Wissenschaftler und Aktivisten Stéphane Verlet-Bottéro am 25. Mai 2019 ein Reenactment von Allan Kaprows Happening Overtime auf der Villanderer Alm.

Das Happening Overtime bildet das letzte Kapitel der School of Verticality und wurde nur einmal im Frühjahr 1968 an der University of California in San Diego verwirklicht und seitdem nie wieder reaktiviert. Auf Anweisungen des amerikanischen Künstlers wird bei diesem Happening im Laufe einer Nacht ein 50 Meter langer Schneezaun über eine Distanz von 1,5 km bewegt. Kaprows Leitgedanke, Grenzen zwischen Leben und Kunst aufzuheben, ist in Overtime, wie auch in vielen anderen seiner Arbeiten zentral. Diese Verschiebungen fordern das in der westlichen Moderne geprägte Verständnis von Zugehörigkeit zu bestimmten Räumen und Identitäten heraus und stellen Kategorien wie Boden, Nationalstaat, Natur, Kultur, Spezies und Geschlecht in Frage.

Performative Wanderung und Filmprojektion

Im Jahr 2022 Krier & Verlet Bottéro präsentieren den Dokumentarfilm über die Neuerfindung des Happenings auf der Villanderer Alm. Dabei ist der Film keine einfache Dokumentation der Nacht, sondern verschränkt Stimmungsbilder, Interviews mit lokalen Expert:innen, Kulturproduzent:innen und Landnutzer:innen die Teil des Happenings waren, sowie fragmentarische Bilder und ein Soundscape komponiert vom Filmemacher und KünstlersCarlos Casas. Die 13-minütige Videoinstallation wird drei Jahre nach dem Happening erstmals wieder auf die Villanderer Alm gebracht und mit den Menschen dort geteilt.

Die Künstlerin Sophie Krier erarbeitet Werkzeuge, kollektive Narrationen und Reflexionen. Sie interessiert sich besonders für oszillierende Bewegungen zwischen Traum und Realität, sowie für Form und Nicht-Form. Als gelernte Textildesignerin (Design Academy Eindhoven) verwebt sie an der Schnittstelle zwischen Kunst und Ökologie die Geschichten von Menschen, Tieren und Orten.
Von 2004 bis 2009 leitete sie das Bachelor Programm designLAB an der Rietveld Academie (NL). 2008 initiierte Sophie Krier Field Essays – ein andauerndes Recherche Projekt, welches unter anderem in Form von Büchern publiziert wird. Auf eine Einladung des University College Roosevelt (NL) entwickelte Krier zuletzt Art & Design Practice: ein neues Programm im Sinne von Liberal Arts & Sciences, welches sie derzeit jedes Wintersemester unterrichtet.

Initiiert vom Kulturverein Lungomare. Alle Kapitel der School of Verticality sind auf der Archivseite zu finden.

Lungomare lädt 2018–2019 die Künstlerin Sophie Krier zu einer Langzeit-Residency nach Südtirol ein. In diesem Rahmen entsteht das Projekt „School of Verticality“.

 

Die School of Verticality der Künstlerin Sophie Krier ist ein öffentliches Programm in drei Kapiteln (Gärten weben, Geschichten säen, Brot brechen) für das Zuhören und Erlernen von situationsbezogenem Wissen. Jedes Kapitel verwebt verschiedene Biografien (Mensch, Tier, Region) und Zeiten (Geologie, Geschichte, Träume und Erinnerungen) miteinander. Wo auf Erden gehören wir hin? Welche bereits vergessenen Lebens- und Arbeitsformen können wir sichtbar machen und gemeinsam neu erfinden?

 

Mit School of Verticality etabliert Sophie Krier ein Format, in dem sich Wissen in einem Prozess der gegenseitigen Bereicherung aller Beteiligten trifft. Die Vertikalität des Titels bezieht sich auf eine eingehende Untersuchung, die nicht nur die Schichten der Gesellschaft und die Komplexität der Phänomene durchquert, sondern sich von der Talsohle bis zur Spitze der Berge unseres Territoriums erstreckt und deren Geschichte, Kultur und Geomorphologie miteinander verwebt.

Jahr

2018 – ongoing

Ort

Bozen, Mals, Villanderer Alm

Künstlerische Leitung

Angelika Burtscher, Roberto Gigliotti, Daniele Lupo, Lisa Mazza

Team

Marion Oberhofer, Jörg Oschmann, Ada Keller

Fotodokumentation

Jörg Oschmann

Grafik-Design

Inedition (Eva van der Schans)

Mit der Unterstützung von

Autonome Provinz Bozen Südtirol, Stiftung Südtiroler Sparkasse, Stadt Bozen, Autonome Region Trentino-Südtirol, Bildungsausschuss Villanders