Mi.., 28. – Sa.., 31. Oktober 2026
Stimm-Praktiken und kollektive Erzählungen
Die dritte Wochenende des Public Program, konzipiert und gestaltet von Angelika Burtscher und Daniele Lupo (Lungomare)
Realisiert im Rahmen des italienischen Pavillons auf der 61. Internationalen Kunstausstellung – La Biennale di Venezia, gefördert von der Generaldirektion für zeitgenössische Kreativität des italienischen Kulturministeriums.
Ort Padiglione Italia (Tese delle Vergini), Arsenale
Demnächst
Der dritte Termin, Stimm-Praktiken und kollektive Erzählungen, der vom 28. bis zum 31. Oktober auf dem Programm steht, erforscht die Stimme als Ausdruck des Körpers und Instrument der Beziehung sowie als Werkzeug der Erinnerung jenseits sprachlicher und kultureller Grenzen.
Anlässlich der 61. Internationalen Kunstausstellung – La Biennale di Venezia präsentiert der italienische Pavillon Con te con tutto, ein Projekt von Chiara Camoni, kuratiert von Cecilia Canziani und gefördert von der Generaldirektion für zeitgenössische Kreativität des italienischen Kulturministeriums. Die Ausstellung versteht sich als Aufruf zum Zusammenkommen – als Einladung, durch Begegnung und Austausch mit anderen Lebensformen eine neue Weise des In-der-Welt-Seins zu entwerfen. Dabei öffnet sie Räume für Staunen, Wahrnehmung, Dialog, Kontemplation und für das Fließen der Zeit, die alles verwandelt.
Begleitet wird die Ausstellung von einem vielschichtigen Public Program, konzipiert und entwickelt von Angelika Burtscher und Daniele Lupo (Lungomare). Es erweitert die Perspektiven der Ausstellung durch Performances, Workshops, dialogische Führungen, urbanen Erkundungen und Momente des öffentlichen Austausches. Das Public Program schafft einen Dialog zwischen dem Pavillon und der Stadt Venedig und bezieht Kulturinstitutionen, Forschungszentren und lokale Initiativen zum gemeinsamen Reflektieren ein.
Gegliedert in drei Wochenenden im Juni, September und Oktober 2026 widmet sich das Public Program drei miteinander verbundenen Forschungslinien. Es setzt sich mit Themen wie Erinnerung, Landschaft, Formen kollektiver Intelligenz, Vokalität und der Weitergabe von Wissen auseinander.
14:00—17:00 Uhr
Padiglione Italia (Tese delle Vergini), Arsenale
Workshop von Sara Basta mit der Accademia di Belle Arti di Venezia und der Accademia di Belle Arti di Roma
Sara Basta lädt die Teilnehmenden ein, sich dem Werk von Chiara Camoni zu nähern, indem sie die Sprache in ihren vielfältigen Formen erkunden. Zuhören, Beobachten und Hinsehen werden zu Instrumenten der Beziehung und der Öffnung gegenüber einer breiteren Gemeinschaft. Der Raum des Italienischen Pavillons verwandelt sich in ein lebendiges Labor, in dem Lesepraktiken, Diskussionen und Malerei gemeinsame Zeichen und Erzählungen schaffen, die individuelle und kollektive Erfahrungen miteinander verweben.
Die Teilnahme ist kostenlos; eine verbindliche Anmeldung bis zum 25. Oktober per E-Mail an iscrizione@lungomare.org ist erforderlich.
DONNERSTAG, 29. OKTOBER
16:00-17:30 Uhr
Padiglione Italia (Tese delle Vergini), Arsenale
DER KÖRPER UND DIE STIMME
Gespräch zwischen Adriana Cavarero und Felice Cimatti
Adriana Cavarero ist eine der einflussreichsten italienischen Philosophinnen. Sie war Professorin für Politische Philosophie an der Universität Verona und ist heute Präsidentin des Hannah-Arendt-Studienzentrums an derselben Universität. Ihr Denken widmet sich Themen wie der sexuellen Differenz, der Narrative, der Identität und der Verwundbarkeit. Zu ihren Hauptwerken zählen Nicht trotz Platon und Du, der du mich anschaust, du, der du mir erzählst. In ihrem jüngsten Werk Il canto delle sirene (Castelvecchi) interpretiert sie den Sirenenmythos aus philosophischer Perspektive neu und verknüpft dabei Stimme, Mythos und Politik.
Felice Cimatti lehrt Semiotik und Sprachtheorie an der Università della Calabria. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf dem Verhältnis von Sprache, Tierheit und Mystik. Er moderiert die Radiosendung Uomini e Profeti auf RAI Radio3. Neben seiner philosophischen Tätigkeit widmet er sich seit einigen Jahren auch der eigenen künstlerischen Praxis, die den unergründlichen Blick des Tieres zum Thema macht.
FREITAG, 30. OKTOBER
16:00-17:30 Uhr
Padiglione Italia (Tese delle Vergini), Arsenale
SAWT
Performance von Wissal Houbabi
SAWT ist ein Forschungsprojekt, das die ritualisierte Praxis der Aitauntersucht – einem sehr alten, poetischen Gesang der marokkanischen Tradition. Die Aita ist die tiefgründige Geschichte der ländlichen Regionen, die sich schmerzvoll durch die Stimme bricht, ein über Jahrhunderte mündlich überliefertes Archiv des Lebens, der Liebe, des Schmerzes und des Widerstands. Es gibt ein Leben und Worte, die an einem zutiefst verborgenen Ort unseres Empfindens ruhen; von dort steigen sie auf, wenn der Verstand nachgibt, schwimmen durch die Dunkelheit unserer Ängste, überlassen sich dem Vergessen und entziehen sich jeglicher Kontrolle. So befreit sich die Stimme wie der allererste Schrei, an den man keine Erinnerung hat, aber mit der einzigen Gewissheit seiner Bedeutung: Ich existiere.
Anlässlich des Italienischen Pavillons wird SAWT im Rahmen einer viertägigen Residenz vom 22. bis 25. Oktober weiterentwickelt, die mit Unterstützung des lokalen Partners Spazio Punch realisiert wird. Die über einen Open Call ausgewählten Personen begleiten Wissal Houbabi in ihrem Forschungsprozess und tragen dazu bei, ihre künstlerische Praxis mit den Stimmen und Erfahrungen des venezianischen Kontextes in Beziehung zu setzen. Die Performance am 30. Oktober bringt das Ergebnis dieser Begegnung in den Pavillon und öffnet die Forschung für neue Perspektiven und Formen des Teilens.
SAWT ist eine Performance, die aus einem vom Netzwerk für aufstrebende Kreativität FONDO unterstützten Forschungsprojekt hervorgegangen ist und für das Public Program des Italienischen Pavillons auf der Kunstbiennale von Venedig 2026 neu adaptiert wurde.
SAMSTAG, 31. OKTOBER
12:00—13:00 Uhr
Padiglione Italia (Tese delle Vergini), Arsenale
DIALOGISCHER RUNDGANG
Mit Cecilia Canziani und Francesco Ventrella
Cecilia Canziani (Rom, 1976) ist Kunsthistorikerin und freie Kuratorin. Ihre Arbeit konzentriert sich auf die zeitgenössische künstlerische Praxis, das Schreiben und die Vermittlung zeitgenössischer visullet Kultur sowie auf Kollaboration als kuratorische Methodik. Sie ist Mitbegründerin des Forschungszentrums für zeitgenössische Kunst IUNO und des Verlagsprojekts für Künstlerkinderbücher Les Cerises. Sie lehrt Phänomenologie der zeitgenössischen Künste an der Accademia di Belle Arti de L’Aquila. Sie begleitet die Arbeit von Chiara Camoni seit 2010, kuratierte ihre erste Monografie (NERO, 2017) und arbeitet seit 2018 gemeinsam mit ihr am wandernden Forschungsprojekt La giusta misura.
Francesco Ventrella lehrt Kunstgeschichte an der University of Sussex, wo er dem Centre for the Study of Sexual Dissidence angehört. 2007 war er Visiting Fellow am Centre CATH der University of Leeds; zwischen 2013 und 2016 war er Leverhulme Early Career Fellow und erhielt 2019 die Paul Mellon Rome Fellowship an der British School at Rome. Francesco hat sich intensiv mit Gender und Körpersprachlichkeit in kunsthistorischen Schriften auseinandergesetzt. Seine Forschung im Bereich feministischer und queerer Kunstgeschichten konzentriert sich auf affektive Kategorien wie Enthusiasmus, Empathie und Resonanz, um das Verhältnis von Sexualität, Gender und Moderne neu zu denken. Zusammen mit Giovanna Zapperi gab er den Band Feminism and Art in Postwar Italy: the Legacy of Carla Lonzi(Bloomsbury, 2021) heraus.
SAMSTAG, 31. OKTOBER
13:00—17:30 Uhr
Padiglione Italia (Tese delle Vergini), Arsenale
GEGENWÖRTERBUCH. DER TREIBSAND DES KULTURELLEN GEDÄCHTNISSES
Workshop von Justin Randolph Thompson in Zusammenarbeit mit dem zweijährigen Masterstudiengang für Visuelle Kunst und Kuratorische Studien sowie Manuela Pacella (Kurs für Critical Writing) der NABA, Nuova Accademia di Belle Arti, Campus Rom
Der Workshop erforscht Sprache als dynamischen Raum, der von Erinnerung, Konflikt, Übersetzung und Transformation geprägt ist. Stimme, kollektives Lesen, manuelle Praktiken und Schreiben werden zu Werkzeugen, um Wörter und Konzepte zu hinterfragen und deren gefestigte Bedeutungen und Formen aufzubrechen. Die Bücher, Archive und Toolkits des Forschungszentrums The Recovery Plan bieten einen Werkzeugkasten, der gemeinsam geöffnet und aktiviert wird. Durch Lesungen und Gespräche entsteht im Laufe des Nachmittags ein Gegenwörterbuch(Controdizionario), das am Ende des Tages präsentiert wird.
Die Plätze sind begrenzt. Für die Teilnahme schreiben Sie bitte bis zum 28. Oktober an: iscrizione@lungomare.org
Weitere Informationen unter: https://www.contecontutto.it/en/public-program/